Anforderungen für Gewerbetreibende

Trotz der Gewerbefreiheit gibt es zahlreiche Berufe, für die bestimmte Voraussetzungen zu erfüllen sind. Dies gilt für selbständige Tätigkeiten im Handwerk, für erlaubnispflichtige Gewerbe und für reglementierte Berufe. Reglementiert bedeutet, dass dieser Beruf ohne eine formale Anerkennung der ausländischen Qualifikation in Deutschland nicht ausgeübt werden darf. Das ist beispielsweise bei Architekten oder Ingenieuren der Fall.

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Gewerbe im Handwerksbereich

In Deutschland gibt es zulassungsfreie und zulassungspflichtige Handwerksberufe. Für die 43 zulassungspflichtigen Handwerke sind bestimmte berufliche Qualifikationen vorgeschrieben: Hier ist eine Meisterqualifikation erforderlich, oder eine vergleichbare Qualifikation oder die formale Anerkennung einer entsprechenden ausländischen Qualifikation. Der Westdeutsche Handwerkskammertag informiert über Anforderungen im zulassungspflichtigen Handwerk.

Verfügen Sie über die erforderliche Qualifikation für einen zulassungspflichtigen Handwerksberuf, beantragen Sie mit dem Nachweis dieser Qualifikation im zweiten Schritt eine Eintragung in die Handwerksrolle. Dort sind alle Selbständigen in einem zulassungspflichtigen Handwerk aufgelistet. Die Eintragung ist Pflicht. Einen entsprechenden „Antrag auf Eintragung in die Handwerksrolle“ stellen Sie bei der Handwerkskammer in der Region, in der Sie sich selbständig machen wollen.

Für alle übrigen nicht aufgeführten Handwerke sind keine bestimmten beruflichen Qualifikationen erforderlich. Sie müssen sich dann in das Verzeichnis für zulassungsfreie/handwerksähnliche Gewerbe eintragen.


Sie haben eine ausländische Qualifikation?

Für eine formale Anerkennung Ihrer ausländischen Qualifikation müssen Sie ein Anerkennungsverfahren durchlaufen. Um sich in einem zulassungspflichtigen Handwerk selbständig zu machen, müssen Sie bei der Handwerkskammer in der Region einen Antrag stellen, in der Sie sich selbständig machen möchten. Wird ihre berufliche Qualifikation als gleichwertig anerkannt, haben sie damit die erste Hürde genommen, um einen Handwerksbetrieb zu gründen: Sie haben die Ausübungsberechtigung. Wenn Ihre ausländische Qualifikation nicht als gleichwertig anerkannt wird, müssen Sie Qualifikationen ablegen, die Ihnen fehlende Kenntnisse vermitteln. Fragen Sie bei der Handwerkskammer nach Angeboten zur Anpassungsqualifizierung.

Anerkennung ausländischer Qualifikationen

Bei einem Anerkennungsverfahren wird anhand von Unterlagen über eine ausländische Qualifikation und Berufserfahrungen im Ausland geprüft, ob diese Qualifikation und die Berufserfahrungen mit dem entsprechenden deutschen Beruf, dem sogenannten Referenzberuf, gleichwertig sind. Es können auch mehrere Referenzberufe in Frage kommen. Dann lassen Sie sich beraten, wo die besten Berufsaussichten bestehen. Ein Anerkennungsverfahren schließt bestenfalls mit einer vollen Gleichwertigkeit ab. Manchmal wird nur eine "teilweise Anerkennung" erteilt. Dann können Sie nach einer Qualifizierung, einer sogenannten Anpassungsqualifizierung, und/oder einer Prüfung die volle Gleichwertigkeit erhalten. Wenn die ausländische Qualifikation so gut wie nichts mit dem deutschen Referenzberuf gemeinsam hat, dann gibt es keine Anerkennung. Weitere Informationen und Ansprechpartner finden Sie unter www.anerkennung-in-deutschland.de.


Ausnahmen

Es gibt zahlreiche Ausnahmeregelungen für die Gründung eines Gewerbes in einem zulassungspflichtigen Handwerk. Sie finden hier zwei Beispiele und können außerdem ein Dokument herunterladen, das weitere Beispiele für Ausnahmereglungen enthält. Damit sind aber noch nicht alle Ausnahmeregelungen erfasst. Daher empfehlen wir Ihnen: Lassen Sie sich in jedem Fall von Fachleuten einer Handwerkskammer beraten, wenn Sie keinen deutschen Meisterbrief besitzen und an einer Selbständigkeit im zulassungspflichtigen Handwerk interessiert sind.

Ausnahme: Meisterbetrieb trotz Teilanerkennung

Sie haben einen Antrag auf Anerkennung Ihrer ausländischen Qualifikation gestellt und Ihnen wurden nur Teile Ihrer Qualifikation anerkannt. Dennoch gibt es Wege, um in dem zulassungspflichtigen Handwerk ein Gewerbe zu gründen:

  • Sie melden sich zur Zulassung für die Meisterprüfung bei der Kammer der Region an, in der Sie sich selbständig machen wollen. Gegebenenfalls ist es sinnvoll, vorher an einer beruflichen Qualifizierung teilzunehmen, die Sie auf diese Prüfung vorbereitet.
  • Sie stellen eine Person mit Meisterqualifikation ein, denn dann dürfen Sie in dem zulassungspflichtigen Handwerk gründen. So können Sie selbständig tätig sein, während sie sich darauf vorbereiten die Meisterprüfung selbst abzulegen.

Ausnahme: Meisterprüfung unzumutbar

Ausnahmen werden auch dann gemacht, wenn Ihnen eine Meisterprüfung nicht mehr zugemutet werden kann – beispielsweise aufgrund Ihres Alters. Das ist in § 8 der Handwerksordnung festgelegt. Dann müssen Sie allerdings Ihre fachlichen und kaufmännischen Kenntnisse, Ihre Qualifikationen und Ihre Berufserfahrung nachweisen. Auch Staatsangehörige der EU, des Europäischen Wirtschaftsraums und der Schweiz können eine solche Ausnahmebewilligung erhalten. Dafür müssen Sie entweder eine entsprechende Berufserfahrung (siehe § 2 EU/EWR Handwerksordnung) oder eine entsprechende ausländische Qualifikation (siehe § 3 EU/EWR Handwerksordnung) nachweisen.


Gewerbe in reglementierten Berufen

Reglementierte Berufe dürfen in Deutschland von zugewanderten Fachkräften nur ausgeübt werden, wenn die ausländische Qualifikation mit dem entsprechenden deutschen Beruf gleichwertig ist. Das muss offiziell anerkennt sein. Das heißt, Sie müssen bei der zuständigen Behörde einen Antrag auf Anerkennung Ihrer ausländischen Qualifikation stellen. Informationen dazu finden Sie unter www.anerkennung-in-deutschland.de. Diese formale Anerkennung benötigen Sie auch, wenn Sie in diesem Beruf ein Gewerbe betreiben wollen. Hier finden Sie eine Liste, welche Berufe in Deutschland reglementiert sind und welche Anforderungen Sie erfüllen müssen, um in dem jeweiligen Beruf ein Gewerbe zu gründen. Denn das ist von Beruf zu Beruf unterschiedlich.


Erlaubnispflichtige Gewerbe

Für manche Gewerbe ist in Deutschland eine besondere Erlaubnis erforderlich, um sich hier selbständig zu machen. Das gilt beispielsweise für Versicherungsmakler oder für Betreiber/innen von privaten Krankenhäusern, Spielhallen oder Wachdiensten. Hier finden Sie eine Übersicht aller erlaubnispflichtigen Gewerbe. Wer in solchen erlaubnispflichtigen Gewerben gründen möchte, muss bestimmte Voraussetzungen nachweisen und damit beim Gewerbeamt eine Genehmigung für die selbständige Tätigkeit in dem erlaubnispflichtigen Gewerbe beantragen. Die Voraussetzungen sind nicht für alle erlaubnispflichtigen Gewerbe gleich, sondern variieren von Beruf zu Beruf. Am häufigsten werden diese Voraussetzungen verlangt:

  • Ein Nachweis über die persönliche Zuverlässigkeit des Gründers oder der Gründerin, zum Beispiel durch ein polizeiliches Führungszeugnis oder durch den Auszug aus dem Gewerbezentralregister oder durch eine Unbedenklichkeitsbescheinigung des Finanzamtes und des Gemeindeamtes.
  • Ein Nachweis über die fachlichen Voraussetzungen (auch als „fachliche Eignung“ bezeichnet) des Gründers oder der Gründerin. Dies kann beispielsweise durch eine bestimmte Ausbildung oder auch ein Zertifikat bestimmter Weiterbildungen nachgewiesen werden.
  • Ein Nachweis über die sachlichen Voraussetzungen zur Gründung (auch als „sachliche Eignung“ bezeichnet). Dies kann beispielsweise durch die Auskunft aus dem Schuldnerverzeichnis SCHUFA und/oder durch eine Bescheinigung über die bauliche Eignung der zukünftigen Gewerberäume nachgewiesen werden

Die Bestimmungen zu erlaubnispflichtigen Gewerben sind in der Gewerbeordnung (GewO) § 29 bis § 40 geregelt. Haben Sie diese Genehmigungen erhalten, dürfen Sie das erlaubnispflichtige Gewerbe ausüben. Sie können diese Erlaubnis nicht auf andere Personen übertragen und andere Personen können ihre Genehmigung nicht auf Sie übertragen. Da Sie unter Umständen Dokumente bei verschiedenen Behörden einholen müssen, sollten Sie daher für Ihre Gründung in einem erlaubnispflichtigen Gewerbe eine längere Vorbereitungszeit einkalkulieren.


So finden Sie die richtigen Behörden

Existenzgründerinnen und Existenzgründer können sich an die Einheitlichen Ansprechpartner wenden. Sie finden außerdem beim Behördenwegweiser des BMWI Adressen und Ansprechpartner.

Sie haben Fragen zu den Anforderungen an Gewerbetreibende? Sie wünschen sich Unterstützung dabei, alle erforderlichen Unterlagen zu bekommen? Wenden Sie sich an eine unserer Ansprechpersonen – wir helfen Ihnen weiter!

Ansprechpersonen

Dr. Ralf Sänger

Dr. Ralf Sänger
IQ Fachstelle Migrantenökonomie
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Rainer Aliochin

Rainer Aliochin
AAU e.V.
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