Anforderungen für Freiberufler/innen

Die Selbständigkeit in einem freien Beruf erfordert in den meisten Fällen den Abschluss eines Hochschulstudiums. Es ist jedoch auch möglich, die erforderlichen Kenntnisse für die freiberufliche Tätigkeit durch Selbststudium oder durch eine Berufstätigkeit zu erwerben. Allerdings müssen die erworbenen Kenntnisse dem Niveau eines Hochschulstudiums entsprechen. Auf dieser Seite stellen wir Ihnen die unterschiedlichen Branchen vor, die zu den freien Berufen zählen. Und wir nennen Ihnen die Anforderungen, die in der jeweiligen Branche für eine Existenzgründung erfüllt werden müssen.

Die freien Berufe werden in Deutschland in drei Kategorien unterteilt – es gibt Katalogberufe, ähnliche Berufe und Tätigkeitsberufe. In dieser Übersicht erfahren Sie, welcher freie Beruf in welche Kategorie gehört.

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Anforderungen an Katalogberufe unter den freien Berufen

Katalogberufe sind die „klassischen“ freien Berufe. Welche Berufe das sind, ist im § 18 des Einkommenssteuergesetz (EStG) festgelegt. Für die meisten Katalogberufe sind bestimmte berufliche Qualifikationen erforderlich. Wenn Sie diesen Beruf in Deutschland studiert und hier Ihren Abschluss erworben haben, steht Ihnen der Zugang zur freiberuflichen Tätigkeit offen. Wenn Sie die erforderliche Qualifikation im Ausland erworben haben, muss ihre ausländische Qualifikation dem jeweiligen deutschen Beruf gleichwertig sein. Dazu müssen Sie ein Anerkennungsverfahrendurchlaufen. Weitere Berufspflichten können erforderlich werden. Diese Anforderungen gelten für folgende Berufsgruppen:

  • Heilberufe wie Ärzte, Heilpraktiker, Krankengymnasten, 
  • rechtsberatende, steuerberatende und wirtschaftsberatende Berufe wie Rechtsanwälte, Notare, Wirtschaftsprüfer, Steuerberater,
  • naturwissenschaftliche und technische Berufe, hier sind vor allem Ingenieure oder Handelschemiker zu nennen.

Außerdem gehören noch informationsvermittelnde und sprachliche Berufe zu den Katalogberufen, beispielsweise Journalisten, Bildberichterstatter oder Dolmetscher. Die Anforderungen an Sie für eine freiberufliche Tätigkeit sind etwas anders, wenn die Qualifikation im Ausland erworben wurde. Denn die im Herkunftsland erworbene Qualifikation muss einer deutschen Hochschulausbildung in der gewünschten beruflichen Tätigkeit gleichwertig sein. Auch hier muss demnach ein Anerkennungsverfahren beantragt und durchlaufen werden. Für Dolmetscher, die gerichtliche und behördliche Aufträge bearbeiten, gelten zusätzliche Berufspflichten.

Anerkennung ausländischer Qualifikationen

Bei einem Anerkennungsverfahren wird anhand von Unterlagen über eine ausländische Qualifikation und Berufserfahrungen im Ausland geprüft, ob diese mit dem entsprechenden deutschen Beruf, dem sogenannten Referenzberuf, gleichwertig sind. Es können auch mehrere Referenzberufe in Frage kommen. Dann lassen Sie sich beraten, wo die besten Berufsaussichten bestehen. Ein Anerkennungsverfahren schließt bestenfalls mit einer vollen Gleichwertigkeit ab. Manchmal wird nur eine "teilweise Anerkennung" erteilt. Dann können Sie nach einer Qualifizierung, einer sogenannten Anpassungsqualifizierung, und/oder einer Prüfung die volle Gleichwertigkeit erhalten. Wenn die ausländische Qualifikation so gut wie nichts mit dem deutschen Referenzberuf gemeinsam hat, dann gibt es keine Anerkennung. Weitere Informationen und Ansprechpartner finden Sie unter www.anerkennung-in-deutschland.de.

Tipp für ausländische Fachkräfte

Wer auf Grund fehlender Qualifikationen oder der fehlenden Anerkennung von im Ausland erworbenen Qualifikationen einen freien Beruf nicht ausüben darf, kann deswegen trotzdem eine artverwandte Tätigkeit als Gewerbe betreiben. Ein Beispiel: Ihre ausländische Qualifikation als Steuerberaterin wurde nicht anerkannt, daher dürfen sie nicht in dem Beruf selbständig tätig sein. Sie dürfen aber ein Buchhaltungsbüro betreiben, was zu den gewerblichen Tätigkeiten gehört.


Anforderungen an ähnliche freie Berufe

Das sind Berufe, die nicht ausdrücklich im Katalog genannt werden, die aber den Katalogberufen in Bezug auf die Ausbildung oder die konkrete berufliche Tätigkeit ähnlich sind. Sie werden auch Analogberufe genannt. Daher wurden die ähnlichen Berufe in den Kreis der freien Berufe einbezogen. Die Anforderungen sind jedoch hoch. In der Regel prüft das Finanzamt im Einzelfall, ob ein Beruf zu den ähnlichen und damit zu den freien Berufen zählt.

Für eine freiberufliche Tätigkeit in einem ähnlichen Beruf benötigen Sie eine Ausbildung oder ein Studium. Hinzu kommen oft Weiterbildungen, die zu einer beruflichen Tätigkeit führen, die mit einem Katalogberuf vergleichbar ist. Das trifft beispielsweise auf jemanden zu, der eine Ausbildung als Elektrotechniker hat und sich danach weitergebildet hat, sodass er jetzt Arbeiten übernimmt, die ins Aufgabenfeld eines Ingenieures fallen. Oder: Eine Sozialpädagogin, die sich fortgebildet hat und nun als Familientherapeutin arbeitet – was in Deutschland sonst nur diplomierte Psychologen dürfen. Wenn Sie Ihre berufliche Qualifikation im Ausland erworben haben, muss sie hier als gleichwertig zum deutschen freien Beruf anerkannt werden. Dazu müssen Sie ein Anerkennungsverfahren durchlaufen.


Anforderungen an freie Tätigkeitsberufe

Durch die Kategorie der Tätigkeitsberufe soll eine freiberufliche Tätigkeit in neuen Arbeitsfeldern oder neuen Berufsbildern möglich gemacht werden. Das kann in folgenden Bereichen der Fall sein:

  • wissenschaftliche Tätigkeiten
  • künstlerische Tätigkeiten
  • schriftstellerische Tätigkeiten
  • unterrichtende Tätigkeiten
  • erzieherische Tätigkeiten

Ob die jeweilige Tätigkeit zu den freien Berufen gehört – also die typischen Merkmale eines freien Berufs aufweist – wird meist durch das Finanzamt im Einzelfall entschieden. Wenn Sie Ihre berufliche Qualifikation im Ausland erworben haben, muss sie hier als gleichwertig zum deutschen freien Beruf anerkannt werden. Dazu müssen Sie ein Anerkennungsverfahren durchlaufen.

Freiberufler/in oder Gewerbetreinde/r

Wie kompliziert die Beurteilung ist, ob eine selbständige Tätigkeit zu den freien Berufen oder zu den gewerblichen Berufen zählt, zeigt das Arbeitsfeld des Apothekers: Ein Apotheker oder eine Apothekerin gehören grundsätzlich zu den Freiberuflern. Betreiben Sie jedoch eine Apotheke, sind Sie auch Gewerbetreibende. Eine solche „Doppeltätigkeit“ kann dazu führen, dass ein Teil der Einnahmen der Gewerbesteuerpflicht unterliegt und ein anderer Teil der Einnahmen der freiberuflichen Tätigkeit zugerechnet werden kann. Oder: Als Dozent/in an einer Universität können Sie freiberuflich tätig sein. Wenn Sie aber gleichzeitig einen Handel mit Fachbüchern betreiben, ist das eine gewerbliche Tätigkeit, die entsprechend versteuert werden muss.


Berufszulassung

Für einige freie Berufe ist zusätzlich zu den vorgeschriebenen beruflichen Qualifikationen noch die Mitgliedschaft in der Berufskammer verpflichtend. Für die Anmeldung in der Kammer benötigen Sie:

  • den Nachweis ihrer formalen Qualifikation (abgeschlossenes Studium oder gleichwertiger Berufsabschluss),
  • den Nachweis einer Berufshaftpflicht-Versicherung und
  • ein polizeiliches Führungszeugnis, das Sie beim Einwohnermeldeamt beantragen.

Andere freie Berufe, beispielsweise nicht ärztliche Heilberufe wie Heilpraktiker, erhalten diese Zulassung bei öffentlichen Einrichtungen, in diesem Falle beim Gesundheitsamt. Öffentlich bestellte und vereidigte Sachverständige müssen für ihre Zulassung zur Industrie- und Handelskammer oder zum zuständigen Gericht. Bestimmte Freiberufler wie Journalisten oder Künstler können ihre Arbeit ohne Erlaubnis aufnehmen.

Berufshaftpflicht-Versicherung

Ob als Steuerberater, Anwalt, Arzt, Architekt oder Wirtschaftsprüfer - als Freiberufler ist eine Berufshaftpflicht-Versicherung wichtig, denn Sie sind für alle Schäden finanziell verantwortlich, die Sie in Ausübung ihres Berufs verursachen. Fragen Sie Ihren Versicherungsanbieter nach passenden Angeboten und holen Sie Vergleichsangebote anderer Versicherungen ein.

So finden Sie die richtigen Behörden

Existenzgründerinnen und Existenzgründer finden beim Behördenwegweiser des BMWI Adressen und Ansprechpartner.

Sie haben Fragen zu den Anforderungen an Freiberufler/innen? Sie wünschen sich Unterstützung dabei, alle erforderlichen Unterlagen zu bekommen? Wenden Sie sich an eine unserer Ansprechpersonen – wir helfen Ihnen weiter!

Ansprechpersonen

Dr. Ralf Sänger

Dr. Ralf Sänger
IQ Fachstelle Migrantenökonomie
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Rainer Aliochin

Rainer Aliochin
AAU e.V.
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